Wenn nächstes Jahr nichts besser wird, was dann?

Was, wenn nächstes Jahr nichts besser wird?

Über Scheitern, das keins ist und darüber, was bleibt, wenn Pläne leise zerbrechen.

Dieser Beitrag verspricht keine Transformation bis Ende Januar 😉 !

Stephanie nachdenklich auf Fensterbank

Was wenn nächstes Jahr nichts besser wird?

Zum Jahresende begegnet uns oft dieselbe Frage, nur anders verpackt:

  • Was nehme ich mir vor?
  • Was will ich erreichen?
  • Was soll endlich besser werden?

Und dann kommen sie wieder, die gut gemeinten Vorsätze, Vision Boards und inneren To-do-Listen fürs Leben. Aber was ist, wenn nächstes Jahr nichts davon eintritt? Wenn die Dinge nicht leichter, schneller oder erfolgreicher werden, sondern einfach … anders?

Ich frage das nicht, um Mut zu nehmen, sondern weil genau hier etwas entsteht, das wir oft übersehen. Substanz. Denn was ist, wenn die erhoffte Position ausbleibt? Wenn die Gehaltserhöhung nicht kommt? Der langersehnte Urlaub zwar stattfindet, aber hauptsächlich im Regen? Wenn die innere Entwicklung langsamer verläuft, als wir gedacht haben? Wenn Herzenswünsche sich nicht erfüllen? Oder wenn das Leben einen Schicksalsschlag bereithält, für den man eigentlich keine Kraft mehr hat und auch keinen Plan-B?

Diese Situationen fühlen sich schnell wie Scheitern an. Dabei scheitern wir selten an fehlender Disziplin. Wir scheitern daran, dass wir zu lange an Vorstellungen festhalten, die uns einmal getragen haben.

Dieses Scheitern muss sein, damit wir aufhören, uns selbst zu übergehen und ja, dieser Prozess dauert so lange, wie er dauert. Ganz ohne Abkürzung und leider auch ohne Bedienungsanleitung.

Wenn Planung an ihre Grenzen stößt.

Auch privat habe ich dieses Jahr erlebt, wie wenig sich das Leben planen lässt. Eine Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern so still, dass ich erst spät gemerkt habe, wie sehr ich versucht hatte die Kontrolle zu behalten.

Ich habe gelernt, dass Scheitern nicht bedeutet, dass etwas falsch gelaufen ist. Es bedeutet nur, dass etwas endet, damit wir aufhören, uns selbst zu verhandeln.

Ich habe mir erlaubt, nicht mehr zu kämpfen und meine Situation anzunehmen. Nicht weil ich erschöpft war oder resigniert habe, sondern aus wahrhaftiger zutiefst innerer Überzeugung. Plötzlich war sie einfach da. Der Zeitpunkt war erreicht. Genau darin liegt für mich heute Entwicklung. Nicht darin, dass alles gut ausgeht. Sondern darin, mir treu zu bleiben, auch wenn es nicht so ausgeht, wie ursprünglich geplant war.

Wahrhaftig annehmen, was ist, anstatt dagegen anzukämpfen.

Annehmen bedeutet nicht, etwas gutheißen zu müssen, es egal sein zu lassen oder ein Kapitel beenden zu wollen. Es bedeutet auch nicht etwas probeweise anzunehmen, um vielleicht zu spüren, ob es sich dann verändert und anders, besser (?) anfühlt. Es bedeutet auch nicht, die Wohnung mit Affirmationen zu tapezieren und zu hoffen, dass dadurch innere Prozesse in Gang kommen. Spoileralarm: Die Wand freut sich, das Leben bleibt trotzdem hartnäckig.

Annehmen bedeutet, aufzuhören, Energie gegen die Realität zu verschwenden. Nicht aus Trotz, sondern mit einer ganz zarten Pflanze die ich liebevoll „friedvolle Akzeptanz“ nenne. Solange wir uns innerlich sagen und auch fühlen: „So darf das nicht sein“, bleiben wir im Widerstand gebunden. Erst wenn wir anerkennen wie es ist und es schaffen, allen aufdrängenden „aber Reaktionen“ sanft mit „So ist es gerade“ zu begegnen, entsteht Bewegungsfreiheit.

Leichter gesagt als getan, ich weiß. Dieser Moment kann sich als Stillstand anfühlen, denn wir wollen Antworten auf „und dann?“ „Wie geht es weiter?“ „Wie soll sich durch Nichts-tun und radikale Annahme oder friedvolle Akzeptanz etwas verändern oder gar entwickeln?“  In Wahrheit ist dieser gefühlte Stillstand oft der Übergang von Kontrolle zu Präsenz. Und genau das ist Arbeit. Auch wenn sie sich nicht nach Leistung anfühlt.

Das Missverständnis vom Weiterkommen.

Die meisten von uns, die vorankommen wollen, haben nicht zu wenig Ehrgeiz oder Durchhaltevermögen. Im Gegenteil. Sie haben viel investiert. Zeit. Geld. Nerven. Gedanken. Wissen angeeignet. Und genau das macht es so schmerzhaft, wenn die Ergebnisse ausbleiben. Was dann zerbricht, ist oft nicht nur ein Ziel, sondern das Bild davon, wie das Leben laufen sollte. Der Blase platzt und hinterlässt Spuren und genau hier beginnt ein anderer Lernprozess. Denn vermeintliche Rückschritte sind oft nichts anderes als Kurskorrekturen, nur leider ohne Applaus.

Stillstand ist auch Arbeit.

Ich habe dieses Jahr gelernt, dass Stillstand nicht leer ist. Er ist voll, nur eben nicht sichtbar. Zum Beispiel:

  • wenn alte Erwartungen losgelassen werden
  • wenn Rollen hinterfragt werden
  • wenn sich innere Maßstäbe verschieben

Das fühlt sich selten produktiv an. Ist aber oft die Voraussetzung dafür, nicht am eigenen Leben vorbeizuleben. Stillstand ist nicht das Gegenteil von Wachstum. Er ist manchmal einfach nur seine Form.

Mit Druck lässt sich nichts erzwingen.

Während wir versuchen, das Leben durch noch mehr Anstrengung zu überzeugen „Wenn ich mich nur genug bemühe, dann …“ fallen wir immer und immer wieder zurück in alte Muster. Je größer der innere Druck ist, desto enger wird der Blick. Doch Entwicklung folgt keinem Belohnungssystem. Manches lässt sich nicht beschleunigen. Und oft zeigt sich der Erfolgt erst, wenn wir aufhören es festzuhalten. Loslassen ist kein Aufgeben. Es ist ein Strategiewechsel und manchmal der klügste.

Und wenn nächstes Jahr nichts besser wird?

Dann bleibt etwas Wesentliches: Nicht das, was Sie erreichen, sondern die Art, wie Sie da sind. Ihre Fähigkeit, das Leben anzunehmen, wie es sich zeigt. Nicht resigniert, sondern wach. Nicht kämpfend, sondern verbunden und in Frieden, mit sich und anderen.

Vielleicht wird nächstes Jahr nicht besser. Aber vielleicht werden Sie ehrlicher mit sich selbst. Und manchmal ist genau das der Punkt, an dem sich alles verschiebt, leise, unauffällig und nachhaltig.

 

Ihre Stephanie Harneit

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